1864 - 1910

Recht summarisch sind die schriftlichen Zeugnisse aus den ersten Jahrzehnten der Musikgesellschaft, wie die Musikvereinigung ursprünglich hieß. Vom Mitwirken bei Weihnachtsfeiern und Dirigentenwechsel, von der Teilnahme an Musikfesten und Wertungsspielen wird berichtet. Kleinere Konzerte von Biberach bis Friedrichshafen, bei denen durch „Tellersammlungen der bedürftigen Kasse einige Mittel zugeführt wurden“, werden erwähnt.

Bild- 1

 

Das Bild aus dem Jahr 1870 zeigt die Gründungsmitglieder der „Musikgesellschaft Aulendorf“: Butscher, Seybold, Störk, Rist, Bohner, Kellermann, Maucher (von links nach rechts). Malermeister Kellermann war der erste Dirigent der kleinen Blaskapelle.

 

1911

Es ist aus den Protokollen nicht ersichtlich, warum die Musikgesellschaft in eine schwere Krise geraten war. Der Dirigent war ausgeschieden, und die Kapelle „wurde einige Zeit lahmgelegt, denn es wollte auch keines der seitherigen acht Mitglieder etwas mehr hierin tun“. Als Retter erwies sich der damalige Militärverein, der sich um den musikalischen Rahmen seiner Veranstaltungen sorgte. Der Vorsitzende dieser Vereinigung lud die Musiker zu einer Zusammenkunft ein. Schultheiß Bammert kam dazu und „fand anregende Worte zur Aufmunterung, Hebung und Vergrößerung der Musikgesellschaft“, die unverhoffte Begeisterung auslösten. Ein neuer Dirigent wurde gewählt und von neuem “mit allen Kräften gearbeitet, um die Kapelle wieder in die Höhe zu bringen“. Die Musikerzahl stieg auf zwölf an. Eine Krise war überwunden. Es sollte nicht die letzte in der langen Vereinsgeschichte bleiben.

 

1913

Dieses Mühen zahlte sich schon nach zwei Jahren aus: „Die junge, aber gut geschulte Kapelle wagte sich zum Preisspiel beim III. Verbandsmusikfest in Friedrichshafen, woselbst ein 1. Preis errungen wurde.“ Bei ihrer Rückkehr wurden die Musiker mit Böllerschüssen und Hurra-Rufen am Bahnhof empfangen, zum „Löwen“ geleitet und dort mit Lobreden besonders begrüßt. Die Stadt verwahrt die Rechnungen von diesem Empfang: Für 5 ½ Pfund Böllerpulver musste das Rathaus 4,50 Mark berappen, für den Böllerschützen 4 Mark und für die Musiker 103 Biere zu je 12 Pfennig und 19 Würste mit Salat zu je einer halben Mark, machte zusammen 21,86 Mark. Dem Dirigenten wurde ein Braten mit Salat serviert, kostete die Gemeinde 1,10 Mark. Das hatte er auch redlich verdient, den nach dem „Aulendorfer Tagblatt“ vom 21. Juli hatte er seine Musiker zum Wertungsspiel „wie ein Feldherr zum Kampf geführt“. Die Kapelle zählte bereits 20 aktive Mitglieder.

 

1914-1918

Der Krieg beeinflusste immer mehr und immer stärker alle Bereiche des Lebens und bestimmte auch das der Musikgesellschaft: „Es wurde eine große Anzahl unserer Mitglieder unter die Fahne gerufen ... und wir konnten nur noch mit wenigen Musikanten ausrücken, und zum Schluss war es gar nicht mehr möglich.“

 

1918

Aber gleich nach Kriegsende gestaltete sich im Dezember eine Begrüßungsfeier für die heimgekehrten Soldaten zu einem neuen Anfang der Musikgesellschaft: ... war doch die ganze Versammlung von einem schönen, harmonischen Einklang, und sämtliche Mitglieder waren getragen von dem Geiste, ihre ganze Kraft in Zukunft der edlen Musika zu weihen...“ (aus einem Zeitungsbericht).

 

1922

Doch nach vier Jahren war dieser zupackende Elan anscheinend schon wieder erlahmt. Wieder verraten die Protokolle nichts über die Ursache einer „langen Tätigkeitspause“ und warum eine Mitgliederversammlung“... ein nicht ganz zufriedenes Bild zeigte, immer erregter wurde und ohne zufriedenes Resultat aufgelöst werden musste“. Bei einer weiteren Zusammenkunft war aber „die Stimmung wieder eine gute“. Ein neuer Vorstand und Dirigent wurden gewählt und der Tiefpunkt war überwunden.

Musikverein Aulendorf 1922, Dirigent Karl Späth

 

1923

Das Protokoll verzeichnet das erste Neujahrskonzert, damals noch im „Löwensaal“. Seitdem, die Kriegsjahre von 1939-1945 ausgenommen, eröffnet die Musikkapelle mit ihrer Musikdarbietung am 1. Januar den Aulendorfer Veranstaltungskalender. Was den Musikfreunden dabei geboten wird, hat sich schon längst von der Unterhaltungsmusik zum anspruchsvollen Konzert gewandelt.

Musikverein Aulendorf 1929, Dirigent Franz Reichle

 

1933-1945

Es gibt keine Protokolle aus dieser Zeit, doch lässt sich das Vereinsleben in dieser Zeit leicht rekonstruieren: Gleichschaltung der Lebensbereiche, auch der Volksmusik, Eingliederung der Musikkapelle in die SA, Ausrücken in Uniform an den Staatsfeiertagen, bis der 2. Weltkrieg jedes Vereinsleben lahm legte.