Serenade

Blasmusik im XXXL Format

Stadtkapelle Aulendorf und Landespolizeiorchester
bei den Donau-Oberschwäbischen Musikwochen

 


43 Musiker der Stadtkapelle Aulendorf und 32 Musiker des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg spielten ein dreistündiges Konzert vor rund 220 Zuhörern in der Stadthalle Aulendorf. Es war eine Riesenshow im Sinne der Blasmusik, oder um Guntram Bumiller, den künstlerischen Leiter der Donau-Oberschwäbischen Musikwochen (DOM) zu zitieren „Bläsermusik vom Feinsten“.

Diese Mammutveranstaltung war einer der vielen Programmpunkte der zehnten DOM, die von einem Förderverein organisiert werden. Ziel des Vereins, dem 14 Städte aus dem Raum Donau-Oberschwaben angehören, ist es, die musikalische Vielfalt zu moderaten Preisen einem großen Publikum anzubieten. Möglichst vielen Zuhörern soll der Zugang zu Live-Konzerten ermöglicht werden, wobei vor allem der musikinteressierte Nachwuchs im Fokus ist. Sponsoren ermöglichen es dem Verein Jugendlichen bis 14 Jahren freien Eintritt zu gewähren. Werner Leser, Vorsitzender der Stadtkapelle Aulendorf, erklärt im Gespräch mit der SZ, dass von Seiten der Stadt Aulendorf der Impuls kam, das traditionelle Serenadenkonzert der Stadtkapelle mit einem Auftritt des Landespolizeiorchesters zu kombinieren. Es wäre atmosphärisch sicher ein ganz tolles Konzert im Schlossinnenhof geworden, aber angesichts der extrem unsicheren Wetterlage, blieb den Verantwortlichen letztlich keine andere Wahl, als den geschützten Raum der Stadthalle zu wählen.

Zwar stand die Veranstaltung unter dem Motto „Der gute Ton im Ländle“, aber musikalisch drehten sich die meisten Stücke um die iberische Halbinsel, mit temperamentvollen Stücken die Sehnsucht an die mediterrane Lebenslust weckten. In diese Kategorie gehörten zweifelsohne auch die beiden Stücke „Fandango“ und „Spanisch Fever“ der Stadtkapelle unter der Leitung von Jochen Schlagmann. Kurzweilig informierte Martin Gallasch über die Stücke und verglich diese mit den unterschiedlichen Baustilen des Aulendorfer Schlossen. „Warum nicht zeigen, was man hat?“ – das gilt für den Marmorsaal genauso, wie für das gefühlvolle Solo bei „Besame Mucho“ von Sebastian Manz auf dem Flügelhorn. Die geballte Kraft eines Blasorchesters bekamen die Zuschauer dann bei Leonard Bernstein´s „West Side Story“ zu spüren. Mit dem Medley des in New York spielenden Musicals zeigten die 43 Musiker, Holz- und Blechbläser, dazu die fünf Männer am Schlagwerk, dass man mit großartiger Musik einer großartigen Stadt gerecht werden kann.

Das Landespolizeiorchester hatte seine Musikauswahl ganz unter das spanische Thema gestellt. Äußerst gestenreich, geradezu akrobatisch dirigierte Professor Stefan R. Halder zur Freude des Publikums das Orchester. Halder ist im benachbarten Otterswang aufgewachsen und hatte in Aulendorf quasi ein Heimspiel. Das Landespolizeiorchester gilt als eines der renommiertesten Berufsblasorchester Deutschlands, ein Anspruch, dem die 32 Musikerinnen und Musiker problemlos gerecht wurden. Das fast halbstündige Medley mit Highlights aus Georges Bizet Oper Carmen zeigte ein klares und ausgewogenes Klangbild mit exakten und fein gespielten Einsätzen. Bei Chick Coreas Stück „Spain“ griff sich Bumiller sein Baritonsaxophon und unterstützte das Orchester bei dem mitreißenden Stück. Dank der Improvisationen der Solisten an der Querflöte, am Saxophon und der Trompete sprang die Lebensfreude auf die Zuhörer über, was diese mit langem Applaus honorierten. Nach der Erstaufführung des Stückes „Don Quixote“ von Theodor Rupprecht gab es verdientermaßen Standing Ovations für den Lokalmatadoren Halder und seine international besetzte Truppe.

Dietmar Hermannutz, Art. „Blasmusik im XXXL Format“,
in: Schwäbische Zeitung. Lokalteil Aulendorf vom 11.07.2017, S. 17.